ich sehe was,
was du nicht siehst
20-08-26

Eine Graphic Novel über keine Hexe

Ich habe nie Comics gezeichnet, aber immer gelesen.
Leidenschaftlich. Meine frühen HeldInnen waren Asterix und Gundel Gaukeley, später dann Gaston, Spirou und natürlich die Watchmen.

„Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien!“ (Asterix und der Kupferkessel)
Wenn ich damals nicht alles verstand, fragte ich: „Mama, was sind eigentlich Orgiiiin?“ Von mir mit langem i ausgesprochen. Mutters verdatterter Blick bleibt mir unvergesslich. Und ihre vage Antwort erhellte mein achtjähriges Ich nur mäßig.

OHA!?

Zu den besten Momenten gehören bekanntlich jene, in denen wir uns selbst überraschen. Als ich vor gut einem halben Jahr nervös meine ersten Scribbles und Texte zu einer Bildergeschichte präsentierte und die AuftraggeberInnen glücklich erschauerten, das war so ein Oha-Moment.

Mein Comic-Debüt wird die historische Graphic Novel „UN GLÜCK SELIGE – Die Geschichte einer namenlosen Frau“ sein. Sie berichtet über einen Kirchenraub im Jahr 1460 in der westfälischen Kleinstadt Blomberg. Über Glaube und Aberglaube der spätmittelalterlichen Gesellschaft. Über Menschen in Not und das ärmliche Leben einer jungen Frau in Angst. Über Verfolgung, Folter und Hinrichtung der mutmaßlichen Täterin am 20. Mai 1460.

Mir ist ein berührendes, würdevolles Erzählen mit dem gebotenen Respekt wichtig – gegenüber der Frau wie auch der Kirche, der Zeit, der Gesellschaft. Ich möchte die „namenlose Fruwe“ aus den Mutmaßungen, Legendenbildungen, falschen Erinnerungen und patriarchalen Gewaltfantasien behutsam herauszuholen.

Es geht auch um das Sichtbarmachen von Unrecht und Gewalt gegen Frauen.

Texte und Illustrationen liegen vor.

Gesucht wird nun ein Verlag, eine Kulturstiftung oder ein Verein, liebend gerne auch eine RepräsentantIn oder AgentIn, die das Projekt pushen möchte.
Zielgruppe: Fans von historischen Graphic Novels, LeserInnen mit Interesse an Feminismus, Mittelalter, Kirche, Alter: 14 – 55 Jahre

Ich freue mich auf Post von Dir!

28-06-26

Wenn’s heiß ist, brauchen wir das: Seltz

Aus gegebenem Anlass ein Tipp aus meinem geliebten Catania, wo man seit Jahrhunderten den heißesten Tagen zu trotzen weiß. Schon im Sizilienroman Il Gattopardo (Der Leopard) lesen wir, dass in den Sommermonaten „Feuer vom Himmel auf das Land fällt“, und damit ist nicht die Lava des Etna gemeint.

Für die Sengende
Seltz Limone e Sale schmeckt herrlich und macht sich kinderleicht. Nur drei Zutaten, die man doch immer im Haus hat: Mineralwasser, Zitronen und Salz. Bevor Du also am Schreibtisch, im Meeting oder draußen in der sengenden Hitze schlapp zu machen drohst, trink ein Glas auf ex.
Seltz löscht den Durst, gleicht den Elektrolythaushalt aus und macht Dich auf der Stelle espressoartig wach.

Haben
1 Bio-Zitrone, ausgepresst
Gekühltes, prickelndes Mineralwasser
1 Prise bis 1/2 TL Salz

Machen
Zitronensaft ins Glas geben und mit Wasser auffüllen
Mit einem Teelöffel umrühren
Den nassen Teelöffel ins Salz stecken
Was am Löffelchen kleben bleibt, wäre die sizilianisch richtige Menge. Nimm gerne weniger oder mehr, ganz nach Geschmack
Umrühren und gleich trinken!

Der Leopard, Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Piper Verlag

02-04-26

Hör mal mit diesem Nachhaltigkeitsblah auf

„Nachhaltigkeit“ wird schon seit Jahrzehnten immer mal wieder zum Buzzword degradiert. Das stimmt. Das ist ein alter Hut. Wahr ist aber auch, dass an europäischen Universitäten und in der Forschung der Themenkreis rund um Nachhaltigkeit an oberster – und unter Studierenden zudem an beliebtester – Stelle listet. Viele Unternehmen haben längst begriffen, dass Klimaschutz kein Sonntagsspaziergang ist, nach dem Motto: Ich geh nur raus, wenn die Sonne scheint.

Wir raten dringend davon ab, eine halbherzige Haltung zu inszenieren. Sie wird schnell durchschaut. Sagen kann man bekanntlich viel, machen ist was anderes.
Bestandsaufnahme: Welche Klimaschutzmaßnahmen sind bereits implementiert, welche in Planung? E-Bike-Fuhrpark, Ehrenamt-Tag, Baumpaten, Büchertausch – auch wenn die ersten guten Nachrichten bescheiden klingen mögen, mach sie sichtbar! Tue Gutes und rede darüber. Schon wer kleine Dinge wertebasiert kommunizieren kann, verbessert mit Hilfe von Design und Text langfristig Ansehen und Relevanz.

Das hört nie auf, im Gegenteil.

23-03-26

Wo bitte gehts in den Wald?

Heute schreibe ich über Irrungen, Wirrungen und über gute Wege aus dem täglichen Welten-Chaos. Willkommen im nebelverhangenen Märchenwald!

Und wo ist hier das Tattoo-Studio? Wo die Kneipe, der Blumenladen und wo wohnt Großmutter? Leit- und Orientierungssysteme verdienen ihren Namen, wenn sie möglichst allen Personen nutzen. Man nennt es Barrierefreiheit. Am Anfang warteten sieben Berge an Vorgaben, Design-Regeln, haptischen Voraussetzungen und baulichen Herausforderungen. Hinter den sieben Bergen platzierten wir gute Gestaltung.
Leitsystem im öffentlichen Raum – Orientierung für alle.

Lichtenrader-Revier.de

15-06-25

Was willst Du bloß in Osnabrück?

An die IgnorantInnen, an die verschämten OsnabrückerInnen und auch an meine phantasielosen Berliner, hört mal bitte zu: Man kann leicht viele gute Gründe finden, um ein Wochenende in Osnabrück zu verweilen. Der beste Grund ist aber, geht hin um Bilder zu „spüren“.

Emotional-körperlich fassen mich die Gemälde in Öl, Gouache und Kohle, hinterlassen auf Leinwand, auf Hanfsäcken und Karton, an. Im „Museum ohne Ausgang“ von Daniel Libeskind erfahre ich Angst, Trauer, Verzweiflung am ganzen Leib. Ich stehe vor den gefundenen, geretteten, in Verborgenheit und enger Not entstandenen Bildern – den Bildern von Felix Nussbaum. Ich taste mich auf schräg verlaufenden, schmalen Betonwegen unter spitzen Sehschlitzen und bodenlosen Gitterfallen voran und gelange … an versperrte Türen, an keine Fenster, an schwere Stahltüren. Nussbaums Bilder begleiten mich wispernd. Das wird nicht mehr aufhören.

Sammlung Felix Nussbaum